Lehrer in der Krise – Corona als Chance für die Bildung

Lehrer in der Krise – Corona als Chance für die Bildung

Derzeit befinden wir uns noch immer mitten in der Krise – doch welcher Krise eigentlich genau? Ist es nur die Pandemie oder deckt jene eben neue Krisen auf? Für die Bildung ist das Jahr 2020 eigentlich eine Chance vieles für die Zukunft vorzubereiten – nicht nur im Hygiene-Bereich.

Wir schreiben den 16. März 2020 und auf meinem Terminkalender steht „Journaldienst“. Ein Begriff der Schule für eine Bereitschaft Schülerinnen und Schüler zu betreuen, die nicht zu Hause bleiben können. Es war im Laufe der Folgewochen eine willkommene Abwechslung zum Alltag vor dem Bildschirm. Bereits in den ersten Tagen des ersten Lockdowns war klar, dass viele Schulen keine Ahnung hatten, was jetzt zu tun ist. Gründe dafür sind jedoch sicher nicht in der Faulheit von Lehrerinnen und Lehren zu finden, sondern in Problemen, die seit Jahren da sind.

Wie funktioniert das Lernen eigentlich?

Ich bin kein Mediziner, kein Erziehungswissenschaftler, kein Psychologe, kein Lerntheoretiker sondern Lehrer. Damit habe ich von vielen Dingen nur geringe Kenntnis. Trotzdem muss ich natürlich wissen, wie das Lernen funktioniert – darauf baut mein Unterricht auf. Dabei kann ich das Buch „Lernen“ von Manfred Spitzer sehr empfehlen. Jene, die mich kennen werden wahrscheinlich kaum glauben können, dass ich diesen Autor empfehle, obwohl mein Leben weitestgehend digital verläuft. STOP! Ganz so einfach ist es nicht. Was ich aus diesen kritischen Ansichten auf jeden Fall lernte ist, dass man googeln nicht durch googeln lernt, sondern nur durch viel Hintergrundwissen. Dieser Punkt ist in der Schule sehr gut zu beobachten. Bei Rechercheaufträgen stehen Schülerinnen und Schüler vor einer Monsteraufgabe. Kaum wird die Suchmaschine des eigenen Vertrauens befüllt, werden Millionen von Ergebnissen geliefert. Dabei ergibt sich nun das Problem des Filterns. Das ist auch der Grund, warum bei Referaten Wikipedia zitiert wird.

Ein großes Hintergrundwissen erleichtert die Suche im Internet enorm, weshalb ich sehr viel sehr schnell suchen und finden kann, wenn es sich um digitale Probleme handelt.

Lernen ist motivations- und belohnungsempfindlich. Ohne Motivation und Lob wird der Prozess zum Problem. Ab und zu kann aber auch Bestrafung und Schmerz sehr dienlich sein – man denke einfach an das Beispiel sich den Finger an der heißen Herdplatte zu verbrennen. Dies stellt eine Ausnahme dar. Anhand Spitzers Erklärungen der neuronalen Karten kann ich vereinfacht wiedergeben, dass Lernen umso besser funktioniert, je mehr Wege für den Prozess durchs Hirn vollzogen werden müssen. Haptik unterstützt Lernen genauso wie die Phantasie. Ein klassisches Beispiel wäre hierbei das Erlernen von Vokablen. Wird mit jedem Wort eine Handlung verbunden, muss diese Information über mehrere Wege im Gehirn, was zur Unterstützung des Lernens führt. Dieser ganz kleine Überblick reicht für mein eigenes kleines Gedankenexperiment in diesem Beitrag.

Digitale Bildung - nur so funktioniert es

Das würden sich jetzt manche wünschen und mache eben nicht, ich wünsche es mir nicht. Hochemotional und authentisch kann ich in der Klasse stehen, jedoch keinen vergleichbaren E-Learning Kurs abbilden. Lernpfade bieten eine Abwechslung und Videokonferenzen können auch gut eingesetzt werden, doch ersetzen lässt sich der Präsenzunterricht nicht so einfach.

Ich denke, je älter die Zielgruppe ist, desto besser funktioniert eine selbstgesteuerte Lernphase ohne Präsenz. Kooperative Onlineseminare gibt es bereits – die Virtuelle PH hat dahingehend ein großzügiges Programm.

Aber: In einer Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung schreibt Prof. Dr. Bardo Herzig über digitale Medien:

In didaktischer Hinsicht stellen digitale Medien Lernmaterialien bzw. Lernwerkzeuge dar.

Prof. Dr. Bardo Herzig

Dahingehend nehme ich meine digitale Umgebung auch als Werkzeug wahr. Ich verwende Tools in meinem Alltag um mein Lehrerleben effizienter zu gestalten. Dabei ist mein Ziel nicht das Streben nach mehr Freizeit, sondern nach Weiterbildung und sozial-emotionaler Hilfe für meine Schülerinnen und Schüler. Gerade der letzte Punkt gehört zu einem wichtigen Bestandteil, was ich im Laufe meines Lehramtsstudiums so nicht erfuhr.

… ein Tipp am Rande

Ja, digitale Tools können bei Lernenden gut ankommen. Die Abwechslung zum regulären Unterricht können Lernspiele aber genauso bieten wie Exkursionen. Auch wenn auf den ersten Blick ein Museumsbesuch bei Schülerinnen und Schülern nicht immer sehr gut ankommt, wird das vermittelte Wissen durchaus besser hängenbleiben.

Digitale Medien können den eigenen Unterricht auffrischen – Vielfalt ist das Stichwort. Doch haptische und emotionale Erlebnisse dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

Werkzeug - das braucht man

Auch wenn die Diskussion ob digitale Medien gut oder schlecht sind niemals enden will, benötigen Schulen einige Dinge, bevor auch nur an E-Learning zu denken ist. Dabei hätten Entscheidungsträger schon viele Jahre vorher agieren können.

Bevor auch nur das erste Kabel verlegt und der erste Computer ausgepackt wird, müssen Lehrende wissen, was sie tun. Wissen um Medienpädagogik, Medienbildung, Medienerziehung, Urheberrecht, Technik und Anwendungen sind die Grundlage. Was nutzt sonst der Computer im Unterricht?! Ich sehe digitale Medien in der Schulbildung als eine Medaille mit zwei Seiten. Auf der einen werden Lernende auf dem Weg in die Gesellschaft begleitet, vorbereitet unterstützt. Hilfe um das Verstehen, wie Software und Hardware funktionieren sind omnipräsent. Auf der anderen Seite ist ein umfangreiches Wissen über die Welt notwenig um auch nur den Hauch einer Ahnung zu erhalten, wie Software und Hardware funktionieren und anzuwenden sind. Wie oben weiter beschrieben wird nicht nur beim Anwenden gelernt, sondern bereits davor. Ich wage einen schrägen Vergleich aus einem von Manfred Spitzers Vorträgen, wobei er erklärt, wie Kinder laufen lernen:

... vielmehr lernt das Kind das Laufen wie alles andere auch: von Fall zu Fall!

Prof. Dr. med. Dr. phil. Manfred Spitzer

Dabei stellt sich, umgewälzt auf digitale Medien im Unterricht zur Vorbereitung auf „das Leben“, für mich die Frage: Haben wir so lange Zeit oder wäre es nicht effizienter, wenn Kinder in der Schule viel über die Welt lernen und danach digitale Medien verwenden?

Eigenstudie - so war es bei mir

Heute fragen mich viele um Rat, wenn es um digitale Belange geht. Dabei reicht das Spektrum vom nicht funktionierenden Kopierer in der Schule über Webauftritte und Design bis hin zu komplexen Aufgaben am Computer, wobei ein tiefgreifendes Wissen Voraussetzung ist. Kann ich mit digitalen Medien so gut umgehen, weil ich bereits in der Primarstufe (Alter 7-10) mit Computern arbeitete?

» NEIN «

Meine ersten Experimente begannen etwa mit 14 Jahren, als mein Vater einen Computer anschaffte um selbst Fotos der Digitalkamera auszudrucken. Ein ISDN Anschluss mit 56k Modem war mit dabei um mit der Microsoft Windows Millennium Edition im Slow-Motion-Tempo durch das damalige Web 2.0 zu navigieren. Beim Herumspielen mit dem Gerät ist mir ein Fehler unterlaufen, den ich – so wies mich mein Vater an – selbst wieder lösen musste. Eine Lösung brachte einige Tage später das „Internet“ wieder zurück aber erst Jahre später erkannte ich meinen eigentlichen Fehler (Ich deaktivierte einen Treiber).

Ich war einer der letzten meiner Schulklasse, der ein Handy mit Farbbildschirm besaß, der letzte in der Oberstufe, der schnelles Internet zu Hause hatte und erst kurz vor der Matura erwarb ich ein Smartphone, ein HTC Wildfire S. Am Ende meiner Sekundarstufenbildung verwendete ich das Handy bereits um Mitschriften zu digitalisieren, auf Google Drive abzulegen und zu teilen. Ich versuchte mich an verschiedenen Anwendungen im Internet und weil es sehr viel Spaß machte, lernte ich das vermutlich sehr schnell und nachhaltig.

Aus dieser Geschichte leite ich nun ab, dass die Verwendung von digitalen Medien nicht mit zehn Jahren oder gar früher beginnen muss um auf ein späteres, digitaleres Leben vorbereitet zu sein.

Seit drei Jahren unterrichte ich „Digitale Grundbildung“, ein Jahr zuvor bereits mit den Gegenstand „Medienerziehung“ (etwas ganz ähnliches). Dabei sehe ich, wie digitale Medien von Schülerinnen und Schülern im Alter von 10-12 Jahren verwendet werden. Das Führen eines Medientagebuchs gibt mir auch einen Überblick über die private Nutzung – damit gelingt das Thematisieren in der Gruppe auch deutlich einfacher und besser. Durch meine Kenntnisse im Social-Media-Bereich bin ich auch den Lernenden gegenüber authentisch und kann dementsprechend adäquat auf Fragen antworten. 

 

So nutzen die Kinder die Medien

Als der neu geschaffene Unterrichtsgegenstand „Medienerziehung“ – teilweise aus meiner Feder – in die Stundentafel meiner Schule übernommen wurde, war ich sehr froh. Die Überraschung folgt jedoch sehr unerwartet im Herbst. Die Schule war zum damaligen Zeitpunkt bereits mit WLAN ausgestattet und anstatt des herkömmlichen Informatik-Raumes gab es 26 Laptops, die sich automatisch ohne Passworteingabe mit den Netzwerk verbanden.

Damit ausgestattet legte ich los, wie ich es eben für richtig hielt. Inspiriert vom Informatikunterricht meiner eigenen Schulzeit, angereichert mit aktuellen Themen, begab ich mich in die Klasse und die Kinder dort waren zum Teil vollkommen überfordert. Es gab wohl folgendes Problem: Schülerinnen und Schüler, die 2002-2006 geboren sind konnten zum Teil einen technologischen Bestandteil, den Computer, einfach überspringen und trotzdem digitale Medien in Form von Spielekonsole, Tablet oder Smartphone verwenden. Dadurch fehlte für mich ein wichtiger Bestandteil: Wie bediene ich einen Laptop. Ich musste also mit einer vollkommen heterogenen Gruppe arbeiten in der zum einen Personen bereits Computer-Erfahrungen vorwiesen während andere ein solches Gerät niemals zuvor bedienten. Mein persönliches Highlight war eine Schülerin, die ratlos vor dem Laptop saß und nicht wusste, was der Cursor/Mauszeiger ist. Sie wollte wohl mit reiner Gedankenkraft das kleine Pfeilsymbol am Bildschirm bewegen. Als ich ihr den Zusammenhang zwischen Bildschirm und Touchpad erläuterte verfolgte sie nicht nur mit den Augen, sondern mit dem gesamten Kopf die Mausbewegungen. Mit der Zeit legte sich das. Nach einem Semester war ich mir nicht mehr ganz so sicher, wie das in Zukunft weiterhin nachhaltig funktionieren wird. Ich, der sich für digitale Medien aussprach, musste nun feststellen, dass es doch nicht wie vermutet, einfach ist.

Mit den Jahren legte ich mir ein Konzept zurecht – an den Lehrplan der Digitalen Grundbildung angelehnt und verknüpft mit meinem angesammelten Wissen über Medien und Kinder.

Meiner Erfahrung nach werden Medien bei Kindern im Alter von 10-14 Jahren vor allem zum Vergnügen eingesetzt. Dabei spielt die Schule nur eine Nebenrolle, die Hauptrolle kommt den Erziehungsberechtigten und dem Freundeskreis zu. Das Elternhaus entscheidet maßgeblich mit, wie digitale Inhalte bei Kindern ankommen. Werden vorwiegend Spiele (z.B. an der Konsole) gespielt, dann gibt es natürlich kein Wissen darüber, wie Textverarbeitsungsprogramme am Computer funktionieren. Diese Feststellung ist für mich durch Erfahrungen aus der Schule klar und schlüssig.

Nach dem Besprechen von Urheberrecht und dem Recht am eigenen Bild wird vielen Schülerinnen und Schülern erst klar, dass sie schon oft dagegen verstoßen haben, ohne es zu wissen. Auch die eigenen Eltern sind dann Täter. Wenn diese die eigenen Kinder ablichten und im Internet oder Chat-Gruppen (bspw. WhatsApp) präsentieren ohne vorher klar gefragt zu haben. Die Frage kann dabei natürlich nicht lauten: „Darf ich dich fotografieren?“. Eltern müssten den eigenen Kinder auch klar machen, was mit dem Foto passiert und hinweisen, dass solche Fotos dann für viele einsehbar und weiterverschickbar sind (auch wenn es nur die „Insta-Story“ ist). Der Schmale Grad, Eltern über das Kinderwissen zu erziehen, ist nicht einfach.

Die aktuelle JIM-Studie (Medienpädagogischer Vorschungsverbund Südwest) präsentiert auch, dass bei 1.200 12-19 jährigen fast alle (>90%) ein Smartphone aber nur etwa 72% einen Laptop besitzen.

Smartphone, Internet und Musik stehen bei der täglichen Mediennutzung an erster Stelle

JIM-Studie 2020

Social Media bei 11-17-jährigen

Der jährliche Jugend-Internet-Monitor von Saferinternet bietet eine gute Übersicht, was Kinder und Jugendliche (n=400) mit Smartphone und Tablet so nebenher machen. Dabei spielt die Kommunikation und Interaktion mit Anderen eine wesentliche Rolle. Der Vergleich mit Fremden, virtuelle Vorbilder und Werbung stehen dabei im Fokus.  

Wenn ich in der Schule meine Insights und Statistiken von YouTube, Twitch usw. zeige, dann ist oft das Staunen groß. Es gibt auch Fragestunden, wo die Gruppe Fragen stellen kann. Dabei kommt eigentlich immer, wie viel man mit YouTube verdient. Das ist auch klar, da immer ein oder zwei dabei sind, die YouTuber werden wollen. Auf diese Frage gehe ich nur indirekt ein und lenke die Diskussion in eine andere Richtung:

Wer bezahlt eigentlich den YouTuber? Woher kommt das Geld? Bezahlt der, der ein Video anschaut eigentlich Geld dafür.

Die Kinder in der ersten und zweiten Klasse (Mittelschule) sagen oft, dass die Klickzahlen oder die Anzahl der Abonnenten für das Geld sorgen und YouTube dann einfach Geld an die KanalbesitzerInnen ausschüttet. Das ist natürlich so nicht wahr. Vielen wird im Nachhinein erst bewusst, dass sie sich selbst oft Stundenlang Werbung ansehen und durch Produktplatzierungen (Product Placement) in YouTube Videos gelenkt werden. Natürlich ist da mein Unterricht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn eine Reduktion der Aufruf-Quote erreiche ich damit nicht.

Lücke im System?

Woher sollen denn Lehrende eigentlich wissen, wie sie mit digitalen Endgeräten, Verwaltung und den jeweiligen Gesetzen im Schulkontext umgehen? Wie werden Lehrende auf den aktuellen 8-Punkte-Plan vorbereitet?

Ab dem kommenden Schuljahr werden Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Schulstufe (Sekundarstufe 1; Mittelschule und AHS-Unterstufe) mit digitalen Endgeräten ausgestattet. Dabei gibt es „auch eine bestimmte Anzahl an Geräten für Pädagoginnen und Pädagogen in den teilnehmenden digitalen Klassen“ (Quelle: digitaleschule.gv.at). Das begrüße ich ja eigentlich, doch wie werden die angesprochenen Lehrerinnen und Lehrer darauf vorbereitet? Sicher wird es diverse Weiterbildungsmöglichkeiten geben und Austauschplattformen (formell und informell) sprießen aus dem Boden. Davon bekommen Lehramtsstudierende jedoch nur wenig mit, denn meiner Erfahrung nach wird das Konzept von der Spitze an begonnen und dringt dann erst in Richtung Fundament vor. 

Durch angepasste Lehrpläne, Bücher und Mediatheken wird die Geräteinitiative am Papier in Schulen anlaufen. Schülerinnen und Schüler werden mit Endgeräten ausgestattet und die Fort- und Weiterbildung angekurbelt. Der Rest bleibt für mich ein Gedankenspiel.

Das wünsche ich mir

Einerseits hält die Digitalisierung und der Weg zum Paperless-Office in der Arbeitswelt weiter Einzug. Dokumentenmanagement, Dateimanagement, Textverarbeitung und Tabellenkalkulationen werden weitestgehend mit digitalen Endgeräten abgewickelt. Natürlich möchte ich, dass Schülerinnen und Schüler darauf gut vorbereitet sind. Gelingt die Vorbereitung durch „Auswendiglernen“ gewisser Befehle am Computer? Ein Beispiel: „Speichern unter …“ ist eine großer Herausforderung. Wird ein angelegtes Dokument abgespeichert, muss ein definiertes Ziel angegeben werden – dafür gibt es die Möglichkeit diesen Schritt ganz einfach auswendig zu lernen. Dadurch gelingt die Lösung genau für diese eine, spezielle Umgebung – wenn sich dabei etwas ändert (z.B. das Programm), kann es mitunter sehr schwierig werden. Als Mathematiker ist das vollkommen klar, weil wer nur die Formel kennt oder ein Beispiel auswendig lernt wird bei künftigen Aufgaben eher scheitern, als jener, der das „große Ganze“ im Hintergrund versteht.

Daher lautet meine Empfehlung eben nicht Computer, Laptops oder andere digitale Endgeräte „hart“ zu erlernen, sondern durch einen gezielten und wohl überlegten Einsatz im Unterricht ein unterschwelliges Interesse (wenn auch manchmal erzwungen) zu wecken. Beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler auch außerhalb des Unterrichts mit Inhalten und Wegen und stoßen dabei auf Probleme könnte damit die Chance größer sein, dass sie dieses Problem, vielleicht auch mit Hilfe anderer, lösen. Ein Computerspiel, das vor allem seit 2019 Einzug in Kinderzimmern hält ist Fortnite. Dabei geht es vereinfacht gesagt darum, andere Spielerinnen und Spieler abzuschießen, sodass man als letzter überlebt und damit gewinnt. Warum auch immer ist das Spiel derart beliebt, sodass mehr als 60% meiner Schülerinnen und Schüler es regelmäßig oder unregelmäßig spielen. Wenn ein Fehler im spiel auftritt, dann suchen die Lernenden (verzweifelt) nach einer Lösung. Wenn dieser Punkt erreicht ist, dann entwickelt sich die notwendige Lösungskompetenz. 

Weil es Spaß macht, lohnt es sich für Kinder auch, sich damit weiter zu beschäftigen. Das versuche ich mir zu Nutze zu machen. In der ersten Klasse (etwa 10-jährige) haben viel Freude mit dem gestalten von Glückwunschkarten für Weihnachten. Dabei bietet sich ein erster Einstieg in Textverarbeitungsprogramme an. Was macht eine Schriftart mit dem Text, wie is das mit der Schriftgröße und Farbe, wie füge ich ein Bild ein? Diese Fragen werden dann via Buddy-System erklärt. Nach einer grundlegenden Information von mir können einige das Wissen bereits anwenden und zeigen sehr oft mit Begeisterung den anderen, langsameren, wie es geht.

Jetzt ganz konkret, damit mein geplantes Vorhaben – der unterschwellige Einsatz digitaler Medien im Unterricht – auch klappt:

  • umfassende digitale Ausstattung für Lehrende
  • gezielte und verpflichtende Fortbildungen oder
  • gezielte und passende Fortbildungen die freiwillig durch gesetzte Anreize besucht werden
  • Einheitliches Konzept pro Schulstandort mit Vernetzung zu Good-Practice von anderen
  • Gigabit-WLAN in allen Räumen
  • 1 zu 1 Ausstattung von Schülerinnen und Schülern
  • Extra Verwaltungspersonal, die für die Wartung sämtlicher Geräte da sind
  •  Einfach zu verstehende Anwendugsbeispiele und regelmäßige „Vor-Ort-Schulungen“

Schlusskommentar

Auch dieser lange Beitrag endet! Mit kombinierten Kenntnissen aus Medienpädagogik, Erziehungswissenschaft, Pädagogik, Medienerziehung, Mediendidaktik, Erfahrung und Grundzügen aus der Psychiatrie (Lernen) ist mir klar, dass Googeln nicht durch googeln erlernt werden kann und damit auch „speichern unter …“ kein auswendig gelerntes Verfahren sein kann. Viel mehr müssen die Hintergründe verstanden und das Eigeninteresse geweckt werden – und das geht natürlich schon ab sechs bis sieben Jahren (auch ohne digitale Endgeräte).